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Von Grund auf g’lernt.

Frauenpower ohne Schicki-Micki-Marketing bringt auch Erfolg.

Grundsympathisch, bodenständig, qualitätsorientiert. Drei Faktoren, die Rosi Schuster leise aber doch zum Erfolg führen.

Von Grund auf g’lernt.


Schon lange wollte ich sie einmal besuchen, oft rauschte ich im Ort durch. Immer war wer anderer vor ihr dran. Einer der bekannten Winzer im Burgenland oder einer von denen, die lauter sind. Mehr Werbung machen. Und immer war die Zeit zu knapp. Ungerecht, denn ihre Weine gefallen mir seit Jahren.

Kein Wunder, Rosi Schuster hat’s gelernt. Wie man so sagt „von der Pike auf“. Im Betrieb der Eltern und auf der Weinbauschule in Eisenstadt. Von dort hat sie sich übrigens auch den Mann geangelt, ihren Lehrer für Kellereiwirtschaft. Nein, nicht was Sie jetzt denken: „Erst zwei Jahre später“ lächelt sie verschmitzt, „da bin i draufkommen, dass er daheim Weingärten hat, die bearbeitet g’hörn“. Also wurde der Schuster Franz geheiratet und seine Weingärten in Schuss gebracht. Und weil sie das hervorragend machte, meinte er: „I bin Lehrer, du machst die Arbeit, also schreib’ Rosi drauf“.

Übrigens kann er kein so schlechter Lehrer gewesen sein, denn viele seine Schüler kennt man von den besten Weinkarten: Pöckl, Gesellmann, Krutzler und Co. haben’s auch beim Franz gelernt. Und die Weinreisen in die wichtigsten Weinbau-Nationen der Welt, die er organisierte, haben auch nicht nur seiner Rosi was gebracht, ebenso wie Vergleichsverkostungen Bordeaux gegen Burgenland, die er schon 1988 veranstaltete, um Themen wie biologischen Säureabbau und Barrique-Einsatz zu diskutieren.

Als ich also endlich bei der Rosi im Hof stehe, denke ich mir: „schon wieder eine Baustelle“. Wie schon so oft in den letzten Jahren höre ich: „Eigentlich sollt ma scho längst fertig sein“ und wie auf allen Wein-Baustellen, dauert’s halt ein bisschen länger. Der wunderschöne Verkostungsraum mit Blick bis zum Schneeberg riecht also noch nach Versiegelungslack und im Keller hängen noch Kabel heraus, aber das ist sicher auch bald erledigt und in der gemütlichen Küche lässt sich’s auch gut verkosten. (Hier haben übrigens wieder einmal gerade neu auf den Markt gekommene Gläser eindeutig gegen die Riedel-Vinum verloren)

Für mehr war ka Zeit.

Für mehr war ka Zeit.
Hier gesellt sich auch Sohn Hannes dazu, das einzige Kind, denn „für mehr war ka Zeit“, der sich mit seinen eigenen Weinen auch schon in die hohen Punkteränge katapultierte und von den Eltern freie Hand hat, seine eigenen Ideen zu verwirklichen.


Drei Hektar übernahm Rosi Schuster 1979 von ihren Eltern. Es war immer klar, dass sie das einmal tun wird, denn „Sohn war keiner da“ und interessiert hat es sie sowieso, an andere Berufe hat sie eigentlich nur in der Volksschule gedacht. Daraus sind bis heute zehn Hektar geworden, die man langsam auf maximal 12 bis 15 steigern will. Grösser will sie nicht werden, um in überschaubaren Strukturen zu bleiben.

Blaufränkisch im Blut.

Blaufränkisch im Blut.


Auch wenn der elterliche Betrieb eher vom Weisswein dominiert war, liegt heute der Rotweinanteil bei 90%. Da war wohl auch der Ehemann mitschuld, dessen „Herz immer rot geschlagen hat“, der sogar meint, dass in seinem Blut Blaufränkisch drin sei. Eine Weile hat sie gebraucht, die Rosi, bis sie auf den Geschmack kam. „Roter Wein hat mir damals besser g’schmeckt, als Rotwein“, kein Wunder, denn an die hellroten leichten, säurebetonten Weine waren wir alle damals gewöhnt. Heute lacht sie darüber und nimmt einen Schluck vom schwarzroten dichten Blaufränkisch.

In ihren Lagen um Zagersdorf und St. Margarethen im Weinbaugebiet Neusiedlersee-Hügelland überwiegt der Blaufränkisch. Daneben gibt es Cabernet Sauvignon und Merlot als Verschnittpartner für ihren Top-Wein die Cuvèe C.M.B. (nach den Sorten Cabernet-Merlot-Blaufränkisch). Etwas Zweigelt und St. Laurent runden die Rotwein-Palette ab, die knapp mehr als 90% ausmacht. Weissweine gibt es von den Sorten Welschriesling, Sauvignon Blanc und Chardonnay. Sohn Hannes will die Tradition fortsetzen und setzt auf autochthone Sorten.

Als 1985 erlaubt wurde auch Cabernet Sauvignon im Burgenland auszusetzen, wollte man im Hause Schuster natürlich auch mitziehen, ein Besuch in St. Emilion beeinflusste dann aber doch und es wurde dem Merlot der Vorrang eingeräumt. Wie sich in der Zwischenzeit herausstellte, eine weise Entscheidung, denn nahezu alle Österreichischen Winzer reduzieren seit Jahren den Cabernet-Anteil in ihren Top-Weinen. Die Weingärten, die neu ausgepflanzt werden, bestocken die Schusters allerdings nur mehr mit einheimischen Sorten, allen voran mit Blaufränkisch und St. Laurent, die auf den lehmig-sandigen Böden die besten Resultate bringen.

Weingarten-Arbeit statt Maschinen.

Weingarten-Arbeit statt Maschinen.


Rosi Schuster träumt nach dem Abschluss des Umbaus von etwas Ruhe und davon vielleicht einmal richtig Urlaub zu machen, denn die Urlaube bisher waren immer Weinreisen. Geschadet haben die allerdings nicht, denn ihre Weine zählen zu den besten des Landes. Mit akribischer Weingarten-Arbeit wird die Qualitätslatte hoch gelegt, im modern ausgestatteten Keller wird traditionell ausgebaut. Blitzender Edelstahl, grosses und kleines Holz, für jede Sorte und Qualität kann das richtige eingesetzt werden.

"Beim Rebschnitt beginnt die Qualität":img:Rosischnitt Von Konzentrations-Maschinen und Chips hält Rosi nicht viel, „denn ohne gscheite Weingarten-Arbeit bring’ i mit nix was zsamm“ und meint weiter „die wirklichen Top-Weine liegen weltweit in Barriques“. Sie hat Konzentration nicht einmal im erlaubten Versuch probiert, versteht aber, dass man in Jahren mit verregnetem Herbst „drüber nachdenkt“. Was sie gar nicht versteht, ist das Versteckspiel mancher Winzer: „I tu’s oder i tu’s ned, aber wann i’s tu dann steh’ i dazu“, meint sie mit herzerfrischender Offenheit.

Das Thema Kork handelt sie ebenso ehrlich und offen ab. Wenn ein Kunde reklamiert, bittet sie um die Codenummer am Korkbrand, um zu wissen, von welchem Lieferanten der fehlerhafte Kork ist und ersetzt dem Kunden die Flasche. Erstaunlich sei die Offenheit und Akzeptanz der Privatkunden für Alternativ-Verschlüsse, wenn auch „so lange es geht“ Kork bleiben soll. Ärgern will sich aber niemand mehr. Da Rosi Schuster Kunstoff-Pfropfen nur für rasch zu trinkende Weine akzeptiert und nicht für längere Lagerung, die bei ihren Top-Qualitäten natürlich wichtig ist, wartet sie schon auf die ersten Langzeit-Erfahrungen mit Drehverschluss und sonstigen Alternativen.

Rosi Schuster, schon lange kein Geheimtipp mehr, aber immer noch mit einem sensationellen Preis-Leistungs-Verhältnis, speziell bei der „klassischen“ Produktlinie, so kostet der Blaufränkisch ab Hof gerade einmal 6,- Euro, ebenso wie eine Cuvèe aus Zweigelt und Blaufränkisch. Selbst die Top-Weine sind mehr als erschwinglich.

Nach den ersten Proben in der gemütlichen Runde freue ich mich schon auf die Verkostungen des neuen Jahrgangs in unserer Redaktion. Die Bewertungen der 2001er Weine finden Sie aktuell im WineTimes Wine-Guide-Austria. Den neuen Jahrgang ca. ab März ebendort.

Sollten Sie also grad wieder einmal durch St. Margarethen durchfahren wollen, weil Sie am Weg nach Rust und Umgebung sind, biegen Sie beim Tanzcafe mitten im Ort einfach rechts ab, gleich neben der Raiffeisenkassa ist der Eingang. Übrigens bei der Raika ist ein Bankomat – hilfreich, wenn man von Rosis guten Tröpferln gleich ein bisserl mehr in den Kofferaum geladen hat.
© by Helmut Knall
last modified: 2007-07-17 12:25:17

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