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Ein Steirer in Mörbisch.

Günther Schönberger: Vom Weintrinker zum Winzer.

Eigentlich wollte Günther Schönberger nur einmal ausprobieren, wie das so ist, wenn man selbst Wein anbaut. Daraus wurde eine Erfolgsstory. Helmut O. Knall besuchte den aussergewöhnlichen Winzer in Mörbisch.

Ein Steirer in Mörbisch.
Günther Schönberger in seinen Weingärten.
Weblinks


Ein strahlender Sonnentag. Kurz vor Mörbisch steht ein Mann am linken Strassenrand und schaut über die Weinberge hinunter zum Neusiedlersee. Sein langes silbernes Haar funkelt in der Sonne, wie der See im Hintergrund. Diese markante Erscheinung heisst Günther Schönberger.

Eigentlich ist er Volksschullehrer, war sogar Direktor. Eigentlich ist er Saxophonist und war Mitglied und Manager der Ersten Allgemeinen Verunsicherung. Eigentlich ist er Bio-Winzer. Eine ungewöhnliche Karriere.

"Viele Top-Winzer müssten eigentlich bös auf mich sein, denn ich war ein sehr guter Kunde" erklärt der Steirer seine Intention Wein zu keltern. "Ich wollte nur einmal ausprobieren, wie das so ist, wenn man Wein selbst anbaut" und gibt zu, nicht viel Ahnung gehabt zu haben, was da auf ihn zukommt. Speziell die Abhängigkeit vom Wetter hätte er unterschätzt.

Aus dem halben Hektar zu Beginn wurden inzwischen über 18 Hektar, aufgeteilt auf mehr als 40 kleine Parzellen zwischen Rust und Mörbisch. Ein richtiger Fleckerlteppich. Wieviel Arbeit er sich damit antut, erwähnt der ruhige, fast zurückhaltende Mann nur am Rande, ebenso, wie die Tatsache, das Gut biologisch-dynamisch zu bewirtschaften. Also keine chemischen Spritzmittel, kein Kunstdünger.

Auf internationalen Messen und Präsentationen ist er bekannter, als in Österreich, seine mächtigen Weine haben viele Fans in Deutschland, der Schweiz und sogar in Frankreich. Das kommt vielleicht auch daher, weil Günther Schönberger ein bisschen frankophil arbeitet, er bevorzugt die Cuvèe. Wobei der Jahrgang die Zusammenstellung entscheidet und nicht der Sortenanteil. Die leichteren Weine heissen "Burgenland-Weiss" bzw. "Burgenland-Rot". Darauf folgen die weisse und rote "Herbstcuvee" und als Topwein der "Schönberger", der regelmässig bei Verkostungen über der 90 Punkte Schallmauer rangiert.

Herausragend auch sein Chardonnay und seine Süssweine, die im Primeur-Führer von wine-times.at ebenfalls mit knapp 90 Punkten rangieren. Bei der A-la-Carte-Verkostung wurde sein Süsswein Sieger.

Seine Weine.

Seine Weine.
Vorne saftige Weingärten, im Hintergrund der See.


Befragt, wo denn der Unterschied zwischen Musiker- und Winzerleben sei, antwortet er einfach: "Ich bin genauso auf Tournee, bin genauso lang auf, ich kann nur in der Früh nicht mehr ausschlafen." Und warum der Steirer zum Neusiedlersee kam: "Als ich begann, hat mir die damalige steirische Stilistik in die süsse Richtung nicht so geschmeckt und ausserdem wollte ich Rotwein machen. Jetzt bin ich Pendler zwischen zwei Klimazonen und es ist immer wieder ein bisschen wie Urlaub." Das Pendeln zahlt sich aus, die Weine sind grossartig.

Burgenland Weiss 2001

Reife Äpfel und Melonen und Kräuterwürze in der Nase, am Gaumen spielen die süssen Früchte mit der Herbe der Kräuter lange dahin, könnte eine Spur mehr Säure vertragen. Angenehmer Essensbegleiter. 82 Punkte.

Herbstcuvee Weiss 2000
(je 1/3 Chardonnay, Weissburgunder, Neuburger)

Typischer Burgunder-Chardonnay Duft, wenn er im Glas wärmer wird, riecht der Neuburger vor. Am Gaumen dicht und komplex, viel Frucht und Nuss, schön eingebundene Tannine, spielerischer langer Abgang. Die 13% Alkohol merkt man ihm nicht wirklich an. 88 Punkte.

Grüner Veltliner Barrique 2000 Fassprobe
Ein verblüffendes Experiment, würde man kaum ins Burgenland tippen.

Nase noch verschlossen und holzbetont, am Gaumen zeigt er aber schon, was hier einmal kommen wird: Eine elegante Fruchtbombe mit viel Spiel und Druck, klingt lange nach, wird viel Diskussion auslösen. 87/89 Punkte.

Herbstcuvee Rot 2000
(70% Blaufränkisch, 30% Merlot)

Duft nach schwarzen Beeren und Heidelbeeren, bissl animalische Töne. Rassig und straff am Gaumen, noch vom Holz übertönte dunkle Früchte, die lange Druck machen. Im Moment dominiert der Merlot. Ein Rotwein, der viel Zeit hat. 89 Punkte.

Schönberger Rot 2000
(Blaufränkisch)

Dichter, kräuterwürziger Duft mit honigwürzigen Noten, ein wenig Rumtopf und Blaubeeren, später ein bisschen dunkle Schokolade. Auch im Mund dominiert noch ein bisschen das Holz, das sich aber gut einbinden wird, denn dieser Wein ist dicht und saftig mit viel dunklen Beeren, wie Blaubeeren und Brombeeren, herbwürzig-fruchtiger Abgang. 91 Punkte.

Weingut Schönberger.
A-7072 Mörbisch, Setzgasse 9.
Telefon: +43 2685 8266 oder +43 3119 2842
Email: ente@schoenberger.eu
© by Helmut Knall
last modified: 2007-07-17 13:45:13

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