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Bordeaux 2000

Ein guter Jahrgang mit extremen Preisen.

Viele meinen, dieser Jahrgang sei zu den besten zu zählen. Das relativiert sich von selbst mit einer Preisspirale die sich noch selten so gedreht hat, wie heuer. Die Premier Grands Crus sind für Otto Normalverbraucher unerschwinglich geworden.



In einem 2 tägigen Verkostungsmarathon habe ich die Primeur-Weine der "Union des Grands Crus de Bordeaux" des aktuellen Jahrgangs 2000 verkostet. Da ich terminlich nicht die Möglichkeit hatte die Primeur-Tour im Frühjahr mitzumachen, musste ich das Versäumte anlässlich der Vinexpo nachholen.

In der Union sind natürlich nicht alle Top-Weingüter vertreten, viele der restlichen konnte ich auf Veranstaltungen neben der Messe verkosten, andere leider noch nicht. Trotzdem fehlt mir ausser Petrus, der heuer ein wenig umstritten ist, keiner der "wichtigen" Produzenten.

Einer der profundesten Kenner der Weinszene, René Lambert, der seit mehr als 30 Jahren in Bordeaux arbeitet und manchmal nebenbei Artikel für Weinmagazine schreibt, hat Wine-Times seine persönlichen Aufzeichnungen exclusiv zur Verfügung gestellt, da René aber alles händisch aufgezeichnet hat, muss ich seine Notizen erst erfassen, was bei der Menge ein paar Tage Zeit erfordert. Aber sie werden demnächst hier publiziert.

Vorerst meine persönlichen Aufzeichnungen vom 18. und 19. Juni 2001 in Kurzform. Mein Bewertungssystem finden Sie im Menü links unter "Bewertungen".

Die Bewertungen sind in 5 Punkte-Schwankungen angegeben, da die Verkostungsumgebung alles andere als angenehm war. Am ersten Tag war es heiss und stickig, dafür am zweiten Tag so deftig klimatisiert, dass einem Toupet-Träger die zweiten Haare im kalten Wind vom Kopf geflogen wären.

Trotz der Bedingungen war die Verkostung fair, da alle Weine unter gleichen Bedingungen verkostet wurden.


Gut an beiden Ufern.


Vorausschicken kann man, dass dieser Jahrgang endlich wieder einmal für beide Seiten der Gironde annähernd gleich gut war, wenn ich auch meine, dass so wie 1998 das rechte Ufer etwas bevorteilt war, denn mir persönlich gefielen die Weine aus St. Emillion und Pomerol doch noch etwas besser als alle anderen.

Entgegen der Meinung vieler Kollegen, die 2000 hochjubeln und ihn mit Jahrgängen wie 1990 gleichstellen, finde ich, dass die 2000er zwar durchgehend sehr gut sind, aber so richtig "gross" sind nur sehr wenige. Viele Weine sind auffallend geschmeidig und weich, obwohl die Tanninstruktur durchaus vorhanden ist. Dieser Jahrgang ist ein Schmeichler in der Primeur-Verkostung. Voll reifer Frucht und angenehmer Struktur.

Trotzdem - oder gerade deshalb - neige ich zur Vorsicht, denn auch wenn natürlich die Kellertechnik nahezu überall perfektioniert wurde, kommen mir einige Weine des linken Ufers doch sehr rustikal vor, während gleich daneben der Nachbar brilliert und funkelt.

So ist schon der Zweitwein von Margaux, der "Pavillon Rouge" so schön, dass ich den Kauf nur empfehlen kann, während in St.Estephe und St.Julien die ganz grosse Klasse doch abgeht. Die üblichen Ausnahmen wie Calon Ségur , Montrose und Ducru-Beaucaillou, sowie Léoville-Poiferré bestätigen die Regel.

Chateau Margaux zählt sicher zu den ganz grossen des Jahres, ebenso Palmer und Haut Brion. Zwei Überraschungen für mich: Brane Cantenac, den ich zweimal nachverkostet habe, weil ich diese Qualität nicht glauben wollte - und Prieuré Lichin, wo ich schon seit Jahren auf die Fortsetzung der tollen 80er Jahre Weine warte und die Hoffnung nach dem Tod des "alten Russen" und dem Verkauf schon aufgegeben hatte.

In St. Emillion ist für mich wieder Cheval Blanc der Sieger, aber ein ganz toller Ausone, Valandraud, Angelus, Troplong Mondot, Figeac, Canon und Canon La Gaffeliere folgen ganz kanpp. Überraschungen auch hier: Chateau Pavie mit einem Jahrgang, wie schon lange nicht mehr und ein Wein, von dem ich bisher noch nie etwas gehört hatte, der mich aber ehrlich begeistert hat (und noch ein richtiges Schnäppchen ist), Chateau Petit-Gravet.

Im Pomerol (Petrus konnte ich leider nicht verkosten) habe ich L´Eglise-Clinet, Gazin, L´Evangile und Vieux-Chateau-Certan am Stockerl. Die Überraschungen heissen hier Franc-Maillet und La Fleur de Gay.

Sauternes ist trotz aller Bemühungen nur ein eher kleiner Jahrgang gelungen, die Edelfäule lässt sich eben nicht erzwingen.

Einige der Bewertungen, die bisher veröffentlicht wurden kann ich absolut nicht nachvollziehen, so z.B. einige der 95-100 Punkte Wertungen des Herrn Parker jr. Wie Lynch Bages, Magrez-Fombrauge, Péby-Faugères oder Leoville-Barton. Ebenso wie Mouton Rothschild, wenn man hier den "Bonus" weglässt. Das alles sind durchaus tolle Weine, die Wertungen über 90 Punkte verdienen, aber über 95???

Auch mit Mario Scheuermann, dessen Wertungen ich sehr oft gut nachvollziehen kann, habe ich dieses Jahr einige Meinungsverschiedenheiten, so sehe ich Chateau Marojallia, Potensac und Les Forts de Latour wohl bei 85-90 Punkten, aber nicht darüber. Dafür gehe ich mit seiner Wertung für Chateau Maugey als einer der wenigen durchaus konform.

Die Wertungen

95 bis100 Punkte:

Angelus, Ausone, Brane Cantenac, Canon la Gaffeliere, Cheval Blanc, Cos d´Estournel, Figeac, Fonplégade, Margaux, Palmer, Pavie, Troplong Mondotte.

90 bis 95 Punkte:

Beauregard, Beau-Séjour Bécot, Calon Segur, Canon, Cantemerle, Clinet, Ducru Beaucaillou, du Glana, Gazin, Grand-Mayne, Guraud-Larose Haut Brion, La Mission Haut Brion, La Garder, Latour, Latour Figeac, Lafite-Rothschild, L´Evangile, Le Pin, Leoville Barton, Leoville Las-Cases, Lynch Bages, Malescot Saint-Exupery, Maucaillou, Maugey, Monbusquet, Montrose, Mondotte, Petit-Gravet, Pichon-Longueville-Comtesse de Lalande, Prieure Lichine, Roc de Cambes, Valandraud,

85 bis 90 Punkte:

Pessac-Léognan: Bouscaut, Carbonnieux, Domaine de Chevalier, Fieuzal, Haut-Bailly, Haut-Bergey, La Louviere, Larrivet-Haut-brion, Latour-Martillac, Les Carmes Haut Brion, Malartic-Lagravière, Olivier, Pape Clement.

Graves: Chantegrive, Ferrande, Rahoul, Smith-Haute-Lafitte
Saint Emillon: Balestard la Tonelle, Cap de Mourlin, Dassault, Clos Fourtet, Franc-Mayne, l´Oratoire, La Couspaude, La Dominique, La Gaffeliere, Larcis Ducasse, Pavie Decesse
Pomerol: Vieux Chateaux Certan, La Cabanne, La Conseillante, La Croix de Gay, La Pointe, Nenin, Petit Village, Trotanoy
Moulin en Medoc: Chasse-Spleen, Poujeaux
Listrac-Medoc: Clarke, Fonréaud, Fourcas-Dupré
Haut-Medoc: Beaumont, Belgrave, Camensac, Citran, Coufran, de Lamarque, La Lagune, La Tour Carnet, Larose Perganson, Larose Trintaudon, Malescasse, Paloumey, Sociando-Mallet
Medoc: Greysac, Haut-Condissas, La Tour de By, Potensac, Ramafort, Rollan de By
Margaux: Alter Ego de Palmer, Cantenac Brown, d´Angludet, Dauzac, Durfort Vivens, Giscours, Labégorce, Lascombes, Marojallia, Marquis de Terme, Monbrison, Pavillon Rouge de Margaux, Rauzan-Gassies, Rauzane-Ségla, Siran
Saint-Julien: Beychevelle, Branaire, Lagrange, Langoa Barton, Leoville Poiferré, Talbot
Pauillac: Clerce-Milon, Croizet-Bages, Grand-Puy Ducasse, Haut-Bages Libéral, Lynch-Moussas, Pichon-Longville, Pontet-Canet
Saint-Estephe: Cos Labory, Lafon-Rochet, Les Ormez de Pez, Phelan-Ségur
Sauternes und Barsac: Bastor-Lamontagne, Broustet, Climens, de Malle, Rayne Vigneau, Doisy-Védrines, Guiraud, La Tour Blanche, Lafaurie-Peraguey, Nairac, Sigalas-Rabaud, Suduiraut.

80 bis 85 Punkte:

Bouscaut, de France, Picque Caillou, Larmande, Fourcas-Housten, Ferrière, Kirwan, Clos l´Eglise u.a.
© by Helmut Knall
last modified: 2007-07-18 14:06:23

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