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Wein unter Wasser

Schlimmste Schäden seit mehr als 100 Jahren

Das Jahr 2002 bringt Hagel und Hochwasser wie seit über hundert Jahren nicht mehr. Über 400 km fuhr Helmut O. Knall in den Krisengebieten Kamptal, Kremstal und Wachau, um die betroffenen Winzer vor Ort zu interviewen.

Wein unter Wasser


"Die Donau ist um siebeneinhalb Meter höher als normal, des san fast drei Stockwerke," erzählt Kurt Angerer, der in Lengenfeld einer der weniger Betroffenen ist und in seiner Freizeit bereitwillig den anderen hilft.

Hilfe ist nötig

Hilfe ist nötig, Hände und Geld. "Mit dem Geld, das im Katastrophenfonds liegt, können wir vielleicht 10 Familien in der Wachau helfen," meint Karl Stierschneider vom Weingut Karthäuserhof in Weissenkirchen, der auch bei der freiwilligen Feuerwehr im Einsatz ist, "150 Tonnen Sand haben wir nur in Weissenkirchen verbraucht und haben doch kein einziges Haus halten können." Resigniert geht er nach einem 20 Stunden Einsatz nach Hause.

"Wir haben zwei Tage fast rund um die Uhr alles getan, was möglich ist, jetzt können wir nur warten, bis das Wasser zurückgeht, uns ein wenig ausruhen, um dann wieder alles wegzuräumen, sonst wird der Schlamm hart wie Beton," meint Star-Winzer Rudi Pichler aus Wösendorf, der so wie viele andere ganz selbstverständlich mithilft. "Dafür haben wir die Gnade, in dieser herrlichen Gegend leben zu dürfen." Dabei steht er gerade da bei Kerzenschein, weil es keinen Strom gibt, kein Telefon und, so skurrill es klingt, wenn rundherum alles überschwemmt ist, kein Wasser.

Am schlimmesten getroffen hat es die Region Zöbing, Hadersdorf, Gedersdorf, Stratzing, Brunn, vor zwei Monaten schon ein irrsinniger Hagelsturm, der grosse Teile der Ernte vernichtet hat, und jetzt die Flut. Bei Niki Moser kann man fast von Totalausfall sprechen. Sepp Mantlers Haus steht fast 2 m in den Fluten, er ist noch immer nicht erreichbar. Auch Hannes Hirsch in Kammern musste evakuieren: "Das Haus ist 500 Jahre alt, aber so etwas hat es noch nie erlebt." Und er sinniert weiter: "Es wundert mich ja nicht, in jeder kleinsten Gemeinde werden Industrie- und Einkaufszentren gebaut, die Flächen, wo das Wasser auskönnte, sind weg." Fred Loimer geht es vergleichsweise ganz gut, er büßt 2 Hektar Weingärten am Kamp ein und stellt seine freien Flächen vor dem Betrieb einem Autohändler zur Verfügung, dessen Autos bereits zu schwimmen begannen, man könnte glauben, es ist gerade ein Fest bei ihm, bis man merkt, dass die Autos alle keine Nummernschilder haben.

Schwer betroffen auch viele Winzer in der Wachau

Fritz Miesbauer von den Freien Weingärtnern verlor sein neu gebautes Haus. Florianihof und Prandtauerhof, sowie die Vinothek von Hubert Fohringer sind heuer bereits zum zweiten Mal Opfer der Fluten. Bei Emmerich Knoll steht der Keller unter Wasser, F.X. Pichlers neu gebauter Kostraum muss wohl bereits renoviert werden. Selbst der etwas höher gelegene Betrieb der Jameks steht unter Wasser. Eine Zufahrt nach Spitz war derzeit nicht möglich und die Telefone funktionierten bis Redaktionsschluss auch nicht.

Das Weingut Prager ist derzeit nur mit Booten zu erreichen. Alter und neuer Keller sind voll mit Wasser, die Holzfässer schwimmen, das Wohnhaus ist nicht zu benutzen. Maschinen und Geräte sind kaputt. Der Schaden ist überhaupt noch nicht abschätzbar. Unermüdlich wirkt Toni Bodenstein aber bereits bei der Hilfe für die ganze Region mit.

Aber nicht nur die Hochwassergebiete sind heuer betroffen, Hagelschäden in riesigen Ausmassen gibt es auch in Carnuntum und im Neusiedlersee-Gebiet. Speziell Halbthurn und Gols haben grosse Ernteausfälle zu verkraften.

Der Wein ist gut.

Zum Schluss noch etwas Positives: Durch perfekte Arbeit in den Weingärten und einen frühen Vegetationsverlauf kann, wenn das Wetter sich nun beruhigt, doch mit einer guten Qualität gerechnet werden. Viele Winzer hatten noch nicht zu viel ausgedünnt, sodass sich die Fäulnis in Grenzen halten wird – immer vorausgesetzt, dass die Sonne noch einmal ordentlich zu scheinen beginnt.

Die beste Hilfe: Produkte aus den betroffenen Regionen kaufen!

Die beste Hilfe wird sein, verstärkt Produkte aus den betroffenen Regionen zu kaufen, damit sich die nun notwendigen hohen Investitionen auch langfristig rechnen. Und schlecht sind die Weine aus der Wachau, dem Kamptal und dem Kremstal ja nun wirklich nicht.

Wer aktiv Geld spenden will: Die Internet-Portale www.wein-plus.de und www.winetimes.at haben ein Spendenkonto eingerichtet, mit dessen Ertrag direkt und unbürokratisch den stark betroffenen Winzern geholfen werden soll: BAWAG 01320-019-342, und wenn nur jeder unserer Leser 10 Euro spendet, ist schon viel möglich, zum Beispiel ein Zuschuss für "abgestürzte" Terrassen.
© by Helmut Knall
last modified: 2007-07-18 12:50:42

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