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Ein Ösi in Piefkinesien.

Ein Österreicher unterwegs bei deutschen Winzern.

Unterwegs in deutschen Weingebieten. Unser Weinspitz Helmut O. Knall ist beeindruckt von der Vielfalt des deutschen Weines. Obwohl es nicht einfach ist, diese Vielfalt auch zu verstehen.

Ein Ösi in Piefkinesien.


In Österreich sind deutsche Weine so gut wie unbekannt. Schliesslich kämpfen wir ja selbst lange genug um die Reputation unserer hervorragenden Weine. Gerade deshalb hat es mich aber immer schon gereizt deutsche Weine, allen voran natürlich die Rieslinge einmal kennenzulernen, schliesslich waren die ja einst weltberühmt.

Um es vorwegzunehmen, leicht wird es einem dabei nicht gemacht. Jeder Produzent wartet mit einer unglaublichen Vielfalt auf und der Begriffswirrwarr ist noch grösser als bei uns in Österreich. Da gibt es Gutsweine, die manchmal auch Estate heissen, Weine mit Lagenbezeichnung und solche ohne. Neben "KubeAh" (das Kürzel QbA steht für Qualitätswein bestimmter Anbaugebiete), gibt es Kabinett, Spätlesen und Auslesen. Als Österreicher muss man hier schon aufpassen, gibt es diese doch auch in verschiedenen Restzucker-Gradationen, die bei uns nicht produziert werden, also immer auf das winzig gedruckte "trocken" achten. Steht es nirgends drauf, ist der Wein restsüss. Aber auch das ist nicht sicher, denn manchmal steht nichts drauf und der Wein ist trocken. Umgekehrt ist das deutsche "trocken" meist im Bereich von mehr als 5g Restzucker, Österreicher empfinden das meist schon als süsslich.

Es gibt Betriebe, die füllen mehrere Weine mit exakt gleicher Bezeichnung auf den Etiketten ab, di trotzdem verschieden sind. Da müsste man beim Nachkauf die Abfüllnummer wissen.

Damit nicht genug, muss man auch noch von "grossen und ersten Gewächsen", Ersten Lagen, Goldkapseln, Grand Cru und Premier Cru Lagen, wie in Frankreich lernen. Und jetzt als neueste Verwirrungstaktik auch noch die Begriffe Classic und Selection.

Wer sich davon noch nicht abschrecken lässt und die Begriffe immer wieder hinterfrägt, hat dann allerdings die Chance ganz grosse Weine zu verkosten.

Obwohl hier gleich wieder schwere Wort-Geschütze auf den Weinfreund warten, gibt es doch Produzenten mit Namen, die nicht gerade Spass ankündigen, wie Sauer, Lump, oder Klumpp. Oder freuen Sie sich auf einen Wein, wenn er aus einem Gymnasium oder einem Spital zu kommen scheint?

Und dann die Lagenbezeichnungen! Apotheke, Gerümpel, Krötenbrunnen, Kirchenstück und Nacktarsch um nur einige zu nennen. Sehr gute Weine kommen auch direkt aus der Hölle. Na dann Prost!

Vergessen Sie alles, was Sie über Liebfrauenmilch und Co. gehört haben. Konzentrieren Sie sich auf die Rieslinge, sie sind es mehr als wert. Sowohl im trockenen Bereich, als auch im restsüssen, hier sind allerdings mehrere Jahre Reifung von Vorteil um solche Weine zu verstehen. Da können dann aber selbst 50 Jahre alte Rieslinge ein Erlebnis sein.

Auch in der Kellertechnik scheiden sich die Geister. Schwören die einen auf einen Ausbau im grossen Holzfass, das in Deutschland als Fuder, Stück- oder Doppel-Stückfass lange Tradition hat, ziehen die anderen Edelstahl-Tanks vor. Auch die Frage, ob Spontanvergärung oder Reinzuchthefe kann nicht wirklich befriedigend beantwortet werden, gibt es doch von allen Herstellern verschiedenster Philosophien wirklich gute Weine. Was wieder einmal beweist, dass die Weine eben im Weingarten entstehen und nicht im Keller.

Hier sind wir auch gleich beim nächsten Unterschied gelandet. Es gibt in der Moselgegend und im Rheingau unglaubliche Steillagen, die man gesehen haben muss, um es zu glauben. Die waren wohl selbst der Reblaus zu steil, gibt es doch teilweise noch wurzelechte Reben. In manchen Gebieten ist es sogar erlaubt wieder wurzelecht auszupflanzen. Viele Lagen sind zu extrem um Drähte spannen zu können, also wird vielerorts noch mit der guten alten Stockerziehung gearbeitet. Viele der Weine können wirklich als schwere Handarbeit bezeichnet werden.

"Warum tun sich die das an?" fragte ich mich und wusste es nach den ersten Kostproben sofort: So eine grandiose Mineralik, wie sie hier zu finden ist, gibt es ganz selten irgendwo anders auf der Welt.
© by Helmut Knall
last modified: 2007-07-18 11:43:46

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