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Contra Mostkonzentration.

Bernhard Breuer nahm Stellung.

Bernhard Breuer war einer der "Star-Winzer" aus Deutschland. Seine Riesling aus Rüdesheim werden auf der ganzen Welt gern getrunken, auf Ausstellungen mit Preisen überhäuft.

Contra Mostkonzentration.
Bernhard Breuer.


Diesen Artikel hat mir Bernhard Breuer im Jahr 2001, kurz vor seinem Tod übermittelt. Da sich an der Verbohrtheit der Politiker nichts geändert hat, ist er leider in vielen Punkten immer noch aktuell. Im Gedenken an einen grossen Vordenker und Freund möchte ich ihn noch einmal veröffentlichen.

Bernhard Breuer: "Gerade jetzt, wo sich das Interesse in der Weinwelt schon wieder von den nur schweren, überkonzentrierten Weinen langsam beginnt abzuwenden, halten es die deutschen Weinbauverbände unisono für notwendig die Konzentration von Most auch bei uns zuzulassen und die Politiker folgen dem bereitwillig und gießen es in Gesetzesform.

Meist wiegen die Argumente nicht schwerer wie, dass Wettbewerbsgleichheit mit anderen Weinländern in Europa und Übersee herrschen solle, dass der Verbraucher mit besseren Qualitäten rechnen könne und dem Traubensaft ja nur Wasser entzogen werde, so ein Minister vor einigen Tagen. Ganz abgesehen davon, dass das letzte Argument so gar nicht stimmt, sondern ganze Konzentrations-Verhältnisse verändert werden, um nur einen Aspekt zu benennen, zeugen solche Aussagen davon, dass man von Wein als Kulturgut nur wenig, vielleicht sogar gar nichts versteht.

Das jahrhundertealte Interesse am Wein, welches in Literatur, Kultur, Lebensweise, sozialem Miteinander Eingang gefunden hat und gerade dabei ist auf ständig grösseres Interesse in unserer Gesellschaft zu treffen, ist doch im wesentlichen immer dadurch gekennzeichnet worden, dass man sich über die Herkunft der Weine, ihrer landschaftlichen, kleinklimatischen Heimat und über ihre Unterschiedlichkeit informiert und gefreut hat. Neue oenologische Verfahren und darunter eben auch die Mostkonzentration haben immer den Effekt mehr Gleichförmigkeit beim Produkt zur Folge zu haben.

Die Verkostung solcher Weine beweist eine Annäherung von Strukturen und Aromen bei Weinen, die bis zu diesem Zeitpunkt sich durch wiedererkennbare Unterschiedlichkeit ausgezeichnet hatten. Das steigende Interesse der Konsumenten an ABC-Weinen (anything but Chardonnay oder anything but Cabernet) ist doch ebenso augenscheinlich wie das sprunghaft sich vergrössernde Interesse an den alten Rebsorten der verschiedenen Weinbauregionen der Welt. Man spricht über Tannat, über Mourvèdre, Viognier, Blaufränkisch, Touriga Franca und Touriga Nacional, über Carignena, Garnacha , Tempranillo und Riesling, weil man nach mehr Authentizität sucht und sie bei diesen autochtonen Sorten findet.

Natürlich werden Weine nur groß sein, wenn ihre Reben in Böden und Klimata wachsen, die dauerhaft dafür besonders geeignet und anspruchsvoll sind, aber auch nur dann, wenn den Pflanzen nur kleine Erträge zugemutet werden. Nur dann zeigen sie die Fingerabdrücke ihrer Herkunft, die der Konsument anspruchsvoller Weine sucht und dafür bereit ist auch den entsprechenden Preis zu bezahlen. Den Mut zu fordern, die derzeit erlaubten Mengerträge drastig abzusenken, weil so Konzentration natürlich auf guten Standorten entsteht, hat offensichtlich niemand. Wir geben dafür für wissenschaftliche Studien um herauszufinden was gegen den UTA zu machen ist grosse Summen Gelder aus und binden wissenschaftliche Kräfte, wo doch jeder weiß, dass bei moderaten Erträgen diese Probleme erst gar nicht entstehen.

Die erlaubte Mostkonzentration wird lediglich dazu führen, dass man glaubt, sich in wissenschaftlicher Sicherheit wiegen zu können, gute Weine zu erzeugen und man seine Sinne immer weniger schärft der Natur große Weine abzuringen. Diese entstehen nicht mit industrieller Fertigungstechnik sondern mit dem Verstehen der natürlichen Balance zwischen Potential des Bodens und der Pflanze.

Sie entstehen mit dem Eingehen von Risiken, um die Reife soweit herauszuzögern, dass die Aromen Zeit haben sich voll zu entwickeln. Kaum ein Weinbaugebiet der Welt hat soviel und solange Licht in der Vegetationsperiode um seine Trauben natürlich reifen zu lassen wie die deutschen Weinbaugebiete und deshalb haben wir die Chance unverwechselbare Weine zu erzeugen.

Anstatt diese natürlichen Privilegien auszuspielen, glauben wir den vermeintlichen Qualiltätsvorsprung anderer Erzeugerländer oder auch manchmal deren Preisvorsprung nur mit deren Methoden einholen zu können. Nur die Konzentration auf unsere eigenen Fähigkeiten als Winzer und nicht als Maschinisten wird uns Weine erzeugen lassen, die vom Markt langfristig gesucht werden.

Das Reinheitsgebot beim Bier hat dem Erfolg dieses Produktes nichts geschadet, sondern genutzt. Geausowenig wird die Mostkonzentration dem deutschen Wein nutzvoll sein. Das Aufgeben eines Stücks gewachsener Kultur wird langfristig nur denen nutzen, die der Natürlichkeit im An- und Ausbau keinen Vorrang geben. Weine, die dem internationalen Geschmack zum Opfer fallen, werden die Konsumenten der Zukunft eher weniger schätzen. Industrielle Methoden einzusetzen um den Preisvorteil anderer Erzeugerländer einzuholen wird genauso in der Sackgasse enden. Ein Hochlohnland wie das unsrige, und das werden wir wohl bleiben, wenn wir nicht verarmen, wird sich überlegen müssen in welcher Nische es bei der Weinerzeugung überleben kann. In der ultimativen natürlichen Authentiziät, Balance und Eleganz seiner Weine, oder in den gleichförmigen international langweilig Typen, die den Chardonnay, Sauvignons Blancs, Cabernets und Merlot dieser Welt nachjagen.

Im übrigen gibt es jetzt schon einen "Schwarzmarkt" für Permeate (dem Abfallprodukt der Konzentation. Mit diesen können Weine verlängert werden ohne das es nachweisbar ist.) Oder wurden die neuen oenologischen Verfahren nur deshalb erlaubt, um der Weinkontrolle neue Betätigungsfelder zu erschliessen.
© by Helmut Knall
last modified: 2007-07-18 22:34:52

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