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Jung oder Reif.

Nicht nur eine Frage des Geschmacks.

Es ist Jungwein-Zeit. Statt Beaujolais Nouveau trinken wir Junker, Premiere, Primus & Co. Das sind leichte Weine, die dazu gemacht sind jung getrunken zu werden. Aber diese Jungweine sollten uns nicht dazu verleiten, auch die "Granaten" zu jung zu trinken.

Jung oder Reif.
Herausgeber Helmut O. Knall. Foto: Petr Blaha.
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Es ist wieder Jungwein-Zeit. Landauf, landab werden Junker, Premiere, Erste Versuchung, Primus & Co. höchst erfolgreich auf den Markt geworfen. Gut so. Auf den Spuren von Beaujolais haben längst alle geschäftstüchtigen Winzer ihre Produkte placiert. Warum sollte man diesen Erfolg auch den Franzosen überlassen. Das können wir auch. Frisch und fruchtig ist die Devise.

Leider mit Nebenwirkungen. Denn kaum sind die ersten Jungweine am Markt, will niemand mehr die reifen Weine trinken. Am liebsten hätten die Gäste ja schon im November den Lagenwein aus dem Fass, während bei Bordeaux diskutiert wird, ob man ihn nun 20 oder vierzig Jahre im Keller lassen kann.

Hier gilt es gegenzusteuern. Denn die wirklich grossen Weissweine aus Top-Lagen sind oft erst nach zwei, drei Jahren wirklich schön zu trinken, wenn sie Ihre Sekundär-Aromen entwickelt haben und eventuelle Holz-Einflüsse eingebunden haben. Dann halten sie oft länger als viele Leute glauben.

Gerade haben drei Veranstaltungen aufgezeigt, wie gut österreichische Weissweine reifen können: „Grand-Cru-Styria“ in Gamlitz, eine Altwein-Verkostung der Top-Langenloiser und der Riesling-Länderkampf Österreich-Deutschland des Oberösterreichischen Sommelier-Verbandes. Bis zu 30 Jahre jung waren die Weine und zeigten sich wunderbar saftig, finessenreich und lang. Speziell die zehn- bis fünfzehnjährigen Weine brillierten in allen Regionen.

Also: Jungweine und „Klassik“ in den ersten beiden Jahren, Lagenwein aber unbedingt reifen lassen. Wie bekommen wir das in die Köpfe der Gäste? In dem wir alle zusammen Aufklärungsarbeit leisten.

Mit Verkostungen gereifter Weine, mit glasweiser Empfehlung von reifen Weinen zum passenden Gericht und wir Schreiberlinge mit viel Überzeugungsaufwand in unseren Artikeln, bei Seminaren und Veranstaltungen.

Vor allem aber müssen auch die Winzer bereit sein, einen Teil mitzutragen und zumindest einen Teil der Lagenweine erst nach angemessener Reifezeit auf den Markt bringen, denn das System kann nur funktionieren, wenn die Lagerkosten aufgeteilt werden. Und ganz ehrlich, bei den Top-Weinen erlösen wir inzwischen Preise, die das ermöglichen sollten.

Grand-Cru Styria.

Grand-Cru Styria.


Grand-Cru in der Steiermark? Warum denn nicht.

Die Top-Weine aus den besten Lagen, wie Hochgrassnitzberg, Zieregg, Obegg, Kranachberg, Kittenberg usw. hätten in Frankreich ganz sicher diese Bezeichnung. Grand-Cru-Styria trat den Beweis an.

Weiss und Reif.

Weiss und Reif.
Eindrucksvoll. Wein-Raritäten aus den Schatzkammern der Güter.


Willi Bründlmayer und Michael Moosbrugger luden zur "Altwein-Verkostung" nach Schloss Gobelsburg um zu zeigen, wie gut Österreichs Weissweine reifen können.

Aus dem Scherz: "Wenn euch die Weine nicht schmecken, müsst ihr euch bei unseren Vätern beschweren", wurde das genaue Gegenteil, die Weine brillierten selbst nach 3-4 Jahrzehnten.

Mit von der Partie waren auch Kollegen aus der Gegend, wie Jurtschitsch, Weingut Stadt Krems, Sepp Moser und Fred Loimer.
© by Helmut Knall
last modified: 2007-03-11 19:33:06

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