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Italiener denken anders.

Oder: Autochthon als Wundermittel gegen die Krise?

Ja, was ist denn jetzt los? Noch vor einigen Monaten hat man uns bei italienischen Winzern lächelnd erklärt, dass man die dunklen Schokoweine, die den "Super-Tuscans" nachgemacht waren braucht, denn die Amerikaner, Asiaten und Russen trinken das eben am liebsten. Und jetzt?

Italiener denken anders.
Foto: Petr Blaha.


Gerade zurück aus der Toskana. Noch arbeiten die Eindrücke in mir. Ganz plötzlich werden wir deutschsprachigen Journalisten wieder Ernst genommen, hie und da geradezu hofiert. Für die kommenden Messen und Events der diversen Weinbau-Nationen stapeln sich die Einladungen, mein Email-Account platzt aus allen Nähten.

Das war in den letzten Jahren durchaus nicht immer so. Speziell in Italien und Frankreich wurden KollegInnen aus den Vereinigten Staaten, aus Asien und aus den ehemaligen Ost-Ländern deutlich bevorzugt. Nun jammert man, dass die Exporte in diese „neuen“ Märkte stagnieren oder sogar zurückgehen, dass die wahnwitzigen Preise für die Supertuscans und Top-Bordeaux nicht mehr akzeptiert werden. Also versucht man in den vernachlässigten „alten“ Märkten wieder zu punkten.

Und überall werden Weine aus autochthonen Sorten bzw. die Regions-Typizität angepriesen. Nun, das hörten wir in den letzten Jahren auch immer schon, die Weine blieben allerdings holzlastig und schokoladig. Jetzt ist aber wirklich ganz deutlich eine Reduktion der Tannine, eine Rückbesinnung auf Sortencharakter spürbar (Manche Kollegen meinten boshaft, das sei nur auf die hohen Preise für neue Barriques zurückzuführen).

Wie aber fast immer, wenn man einen Trend zu erkennen glaubt, gibt es natürlich auch das andere Extrem zu spüren. Einige Önologen haben das in der Toskana gründlich falsch verstanden. Beim Chianti Jahrgang 2007 gibt es neben der grossen Zahl wirklich wunderbar frischer Weine mit saftiger Kirschfrucht auch viele, die nur von der Säure getragen werden.

Leider finden sich solche Beispiele auch vereinzelt beim Brunello. Im grossartigen Jahrgang 2004, der heuer präsentiert wurde, gibt es vereinzelt Weine, die schon sehr gereift wirken, eher am Ende, als am Beginn der Trinkphase, ohne Charme und Tiefe, mit ziemlich „rassiger“ Säure. Da sind manche Rosso di Montalcino 2007 charmanter (Was die Diskussion um ein bisserl Merlot im Brunello wieder anfachte).

Aber bitte nicht falsch verstehen, die meisten Weine präsentierten sich wunderbar, frisch, saftig und genau so, wie man sich Sangiovese wünscht.

Nachdem dieser Trend weg vom massiven Holzeinsatz, Reduktion von Cabernet und Merlot, ja auch in Österreichs Top-Cuvées bereits spürbar ist - höchst positiv übrigens - darf man diesen Trend wohl auch in anderen Ländern erwarten.

Ich denke, dieses „back to the roots“ könnte ein wunderbarer Weg zu trinkigen, eleganten und fruchtigen Rotweinen werden. Vielleicht pendeln sich dann auch die Preise auf ein vernünftiges Niveau ein, was wohl auch den Gast freuen würde. Dann beisst er vielleicht nicht mehr eine halbe Stunde auf einem Achterl herum, sondern bestellt auch wieder eine zweite Flasche. Weil‘s Trink-Spass macht und leistbar ist.

In diesem Sinn. Prost.

Ihr Helmut O. Knall

Reaktionen wie immer gerne gleich hier anschliessend oder an: redaktion@wine-times.com
© by Helmut Knall
last modified: 2009-03-08 19:47:08

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