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Einerseits. Andererseits. Der 2008er.

Grandiose Weine, die viel Trinkspass und teilweise druchaus auch Eleganz aufweisen. Andererseits jede Menge falsche Aromen und zuviel Restzucker. Muss das sein?

Einerseits. Andererseits. Der 2008er.
Foto: Dank an Petr Blaha.
Hintergrund


Einerseits können wir wirklich stolz sein auf unsere österreichischen Winzer. Denn sie haben einen schwierigen Jahrgang bravourös gemeistert.

Selbst die Großväter unserer Winzer können sich an kein Jahr erinnern, in dem der Druck durch diverse Rebkrankheiten so hoch war, wie heuer. Speziell der „falsche Mehltau“ – im Fachjargon Peronospora genannt – verbreitete sich im Frühsommer nahezu explosionsartig und liess die Trauben eher traurig aussehen. Grosse Mengen-Einbussen und mindere Qualität wurde erwartet, selbst von Weinbau-Funktionären und einigen Kollegen.

Doch unsere Winzer leisteten ganze Arbeit und zeigten ihr Können. Mit extrem aufwändiger Weingarten-Handarbeit über Monate und mehrmaliger selektiver Lese – teilweise bis Anfang Dezember ( ! ) wurde doch noch ausgezeichnetes Traubenmaterial geerntet. Viele Weissweine brillieren mit Finesse und wunderbar frischem Frucht-Säure-Spiel. Nicht ganz so üppig, wie in den heissen Jahren, in denen viele Kunden schon über zu hohe Alkoholwerte klagten, sondern „klassisch österreichisch“. Wirklich viel Trinkspass im Glas, wie Sie in unserem frisch erschienenen Buch „Österreichs beste Weissweine“ nachlesen können.

Andererseits merkt man beim Verkosten hunderter Weissweine natürlich auch gewisse Trends. Und einige davon gefallen uns gar nicht.

Zum Beispiel, dass immer öfter Grüne Veltliner mit untypischen Aromen angeboten werden. Die sind dann meist sehr vordergründig duftig nach Muskateller, Sauvignon oder auch Eiszuckerl. Die pfeffrige Veltliner-Würze findet man zwar in der Werbung aber oft nicht mehr im Glas.

Der zweite Trend, der schon in den letzten Jahren deutlich spürbar war, ist ein etwas höherer Restzucker. Nun, das ist nicht wirklich schlecht, im Gegenteil, damit kann man leichte Schwächen oder aggressive Säure etwas kaschieren und macht Weine durchaus charmant.

Aber: Österreich hat in den letzten 20 Jahren einen Ruf aufgebaut, mit dem wir international auch sehr erfolgreich sind, nämlich knochentrockene, filigrane und mineralische Weissweine zu produzieren. Ja man kämpfte seinerzeit in der EU sogar für eine eigene Kategorie „Österreichisch-Trocken“ unter drei Gramm Restzucker. Denn gerade damit können wir uns von allen anderen Weinbau-Nationen unterscheiden.

Aber gerade diese Kategorie ist rar geworden. Die meisten Weissen aus Österreich haben heute eher 5-8 g Restzucker. Und das finden wir schade, weil eben etwas Finesse dabei verloren geht.

Aber nochmals: 2008 ist grossteils viel besser, als die Gerüchteküche verbreitet. Und seien wir doch ehrlich: Wir brauchen Weine, die getrunken werden, das nächste Glas mit Freude bestellt wird, nicht solche, an denen man wegen Üppigkeit eine halbe Stunde herum nippt. Oder?

Viel Spass.

Ihr und Euer

Helmut O. Knall
© by Helmut Knall
last modified: 2009-07-13 02:26:42

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