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Manchmal hat man es als Chefredakteur schwer.

Dann nämlich, wenn man eigentlich nur einen Artikel will, der damit Beauftragte Autor aber plötzlich zu diskutieren anfängt, alles penibelst überprüfen will und mit unseren österreichischen Bezeichnungen für Lebensmittel halt so gar nichts anfangen kann.

Begonnen hat das ja alles, als das Buch noch gar nicht präsentiert war. Als Katharina Seiser das Rezept vom vegetarischen Erdäpfelgulasch ins Netz gestellt hat und ich das in Facebook verbreitet habe.

Manchmal hat man es als Chefredakteur schwer.
Um dieses wunderbare Buch geht's eigentlich. (Foto: Katharina Seiser/ Esskultur.at)
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Ein Wine-Times Gastautor aus Düsseldorf und Fleischlos-Liebhaber (was man ihm übrigens nicht wirklich ansieht), reagierte wie ein Stückerl Natrium im Wasser. Er brannte darauf, dieses Buch kennen zu lernen.

Richtig explosiv wurde dann unsere Diskussion im Chat, weil ich meinte, in ein anständiges Erdäpfelgulasch gehört Wurscht. Es ist dann nur noch zu klären, welche. Denn auch das ist in Wien eine richtige Philosophie-Frage. Hier musste ich unserem fleischlosen Düsseldorfer auch zum ersten Mal erklären, dass es bei uns in Österreich – und speziell in Wien – Sachen zu essen gibt, die in Deutschland, trotz aller Hauben- und Sterneregen, einfach nicht zu haben sind. Dazu gehört gute Wurst. (Uij, ich höre schon die bösen Rückmeldungen).

Geräucherte oder gebratene Dürre, Burenwurscht – auch Klobasse genannt, die es auch in scharf paprizierter Version gibt, Debreziner, Kranzlextra oder Knackwurscht, das ist die Frage. Manche lösen das mit einer Kombination aller Sorten. Besonders gefinkelte Köche haben dann auch noch ein spezielles Würschtel vom befreundeten Fleischhacker (das ist in deutschen Landen ein Metzger). Und dann kann schon einmal vorkommen, dass dann statt der Dürren (oder eben dazu) eine Kabanossi in besagtem Gulasch landet. Schon allein dieser Wurscht-Diskussion wegen, würde ich Erdäpfelgulasch niemals ohne selbige machen. Allerdings könnte man ähnlich philosophische Betrachtungen auch über die verwendeten Erdäpfel machen (Ach ja, für euch Deutschen: ihr nennt diese wunderbare Knolle übrigens Kartoffel). Denn auch darüber liesse sich trefflich streiten, welche Sorte denn da jetzt die nämliche sei. Speckige oder doch etwas mehlige? Dieses neumodische Zeug, wie Ditta oder doch Sieglinde, falls man die überhaupt noch auf einem Markt findet? Naja, Supermärkte nehmen uns diese Unterscheidungsarbeit eh verlässlich ab. Selbst wenn Sie „ja natürlich“ oder „zurück zum Ursprung“ drauf drucken. Sind fast immer dieselben zwei Sorten. Solche die man jedes Jahr neu auspflanzen muss, damit sich Raiffeisen freut.

Okay ich schweife ab. Aber so gestalten sich Diskussionen mit dem Herrn Gastautor auch immer.

Man kommt vom hundertsten ins Tausendste.

Man kommt vom hundertsten ins Tausendste.
Um dieses wunderbare Buch geht's eigentlich. (Foto: Katharina Seiser/ Esskultur.at)


Nachdem er also so vehement das „Raus mit den Würschten“ vertrat, ja sich sogar darin verirrte, man könne sie durch Tofu (!) ersetzen – man stelle sich einmal vor, weisses Zeug, das wie Styropor oder in geräucherter Ausführung wie Goodyear nach einem Kavalierstart schmeckt – im Erdäpfelgulasch. Kurz überlegte ich die gerade geknüpften Bande mit dem grossen chinesischen Küchenbeil zu zerschmettern. Dann siegte halt doch wieder meine soziale Ader und ich dachte mir, leisten wir halt wieder ein bisserl Entwicklungsarbeit (Wieder? Naja, wo haben denn all die hochdekorierten Sterneköche einst gelernt? Eben. Bei Österreichern).

Herr Gastautor also bekam mein Rezensionsexemplar. Und dann ging’s los. Was er nicht ergoogelte, versuchte er bei mir zu erfragen. Manchmal kam ich mir vor, wie der Telefonjoker beim Jauch. Artikel, die er für andere oder uns schreiben sollte, blieben liegen. Der Mann war auf der Suche. Auf der Suche nach Petersil-Wurzen oder Käferbohnen in Düsseldorf. Stundenlang. Halbtagelang war er nicht erreichbar. Tatsache! Muss direkt fragen, ob er was abgenommen hat.

Endlich wieder daheim kam die Frage, was denn Käferbohnen bei uns kosten würden. Hmmm, keine Ahnung, fast nix, sagte ich, und erkundete im Netz bei steirischen Online-Anbietern – ja, sowas gibt’s auch schon – und kam auf 2,50 pro halbem Kilo. Und das gibt’s sicher noch günstiger. In Düsseldorf bezahlte unser armer Gastautor nach endloser Suche immer hin satte 11,- Euronen dafür.

Nach insgesamt 643 Chattereien und unzähligen Emails kochte er immer noch. Ich bekam inzwischen schon leichte Panik, dass diese Rezension nie erscheinen könne, weil er einfach jedes einzelne Rezept nachkochen – nein zelebrieren – wolle und schon dabei war, eine Nullachtfünfzehn Rezension selbst zu tippen, da kam der Text doch noch.

Naja, und was soll man dazu sagen, Sie, geschätzter Leser (gilt auch für Damen), wissen es längst, dieser Text wurde keine Buch-Rezension, sondern fast eine Liebeserklärung. Lesen Sie selbst…
www.wine-times.com/artikel.php?idus=&idrk=73&idde=339&iden=&language=DE
© by Helmut Knall
last modified: 2012-11-14 12:54:05

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