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Es geht rund.

Unwissenheit und Hetzkampagnen.

So viel Unsinn, wie in letzter Zeit, habe ich selten gelesen. Von Coca-Cola-Wein bis zum Reinheitsgebot wird geschrieben, ohne, dass jemand wirklich weiss, worum es überhaupt geht.

Es geht rund.


So viel Unsinn, wie in letzter Zeit, habe ich selten gelesen. Grund ist das Abkommen zwischen der EU und den USA, das den Import amerikanischer Weine erlaubt, die mit technischen Hilfsmitteln oder chemischen Tricks produziert wurden, die bei uns verboten sind.

Das ist grundsätzlich natürlich schlimm und ein Kniefall der Europäer vor den Amis, der eigentlich unverzeihlich ist, aber die grossen Wein-Nationen wie Frankreich und Italien stecken in einer veritablen Absatzkrise und fürchten daher jede Auflage, die den Export in die Staaten noch schwieriger machen könnte. Die Gegenleistung der Amerikaner war übrigens, auf europäische Bezeichnungen wie "Bordeaux" in Zukunft zu verzichten. Österreich stimmte übrigens tapfer gegen dieses Abkommen.


Also wird in deutschen und österreichischen Medien wild gegen dieses Abkommen angeschrieben. Vor „Coca-Cola-Wein“ wird gewarnt, ein „Reinheitsgebot“ für Wein wird gefordert, der ehemalige EU-Abgeordnete Hans Kronberger versteigt sich in einer Wiener Bezirkszeitung sogar so weit, dass er von amerikanischem Pulver schreibt, das bei uns mit Wasser wieder zu Wein gemischt wird. Das ist natürlich Quatsch. Aber natürlich ist ein bisserl was Wahres daran. Erst kürzlich tauchten in deutschen Supermärkten Weine aus Italien, Spanien und Österreich auf, die mit Wasser „gestreckt“ wurden. Das ist in der EU strafbar. Gleich daneben stehen aber Weine aus Übersee, die ebenfalls gewässert wurden. Ungestraft.

Die Weingesetze in den "New World"-Ländern lassen viel mehr Eingriffe zu, als es europäischen Winzern erlaubt ist. Man kann Enzyme, Aromen oder Tannin (soll nun auch in Europa gestattet werden) zusetzen, bis zu einem gewissen Prozentsatz Wasser beimengen (wurde früher auch bei uns reichlich getan) oder durch Aufbesserung mit Zucker (auch bei uns erlaubt), technische Konzentration oder Kryoextraktion verdichten. Man kann mit Fraktionierung oder Ionentauschern den Wein teilweise zerlegen und verändern. Das ist im Moment das falsch verstandenste Verfahren.



Grundsätzlich geht es rein technisch darum, Weine in einzelne Bestandteile zu zerlegen, zu verändern und wieder zusammen zu setzen. Wie geht das eigentlich technisch?

„Spinning Cone Column“.

Oder zu Deutsch: Schleuder-Kegel-Kolonne. So heisst das Verfahren, mit dem man Flüssigkeiten in einzelne Fraktionen zerlegen kann. In der Erdölindustrie, bei Destillaten und bei Bier werden solche Geräte schon länger eingesetzt, jetzt auch bei Wein.

Sehr vereinfacht gesagt wird in einem Vakuum durch sich drehende Kegelteller, wie in einer Zentrifuge, die Flüssigkeit sehr dünn verteilt. Unter Vakuum sind die Siedepunkte der einzelnen Fraktionen, wie Wasser oder Alkohol sehr niedrig. Erwärmt man also diese Flüssigkeit in der Spinning Cone Column, kann man einzelne Substanzen mit gleichem oder ähnlichem Siedepunkt von den anderen trennen. Auf diese Weise kann man z.B. den Alkohol senken, der in sehr warmen Ländern meist relativ hoch ist, man kann zu hohe Schwefelung ausgleichen oder eben Wasser entziehen.

Man kann allerdings nicht einzelne Aromen trennen und verändern, wie so oft falsch berichtet wurde. Aber natürlich verändert sich auch der Geschmack des Weines, wenn man den Alkohol senkt, denn Alkohol ist – so wie Fett beim Fleisch – ein Geschmacksträger.

Die Gefahr liegt also nicht wirklich in der Technik, denn ähnlich produzierte Weine aus Australien, Chile etc. stehen längst in unseren Supermarkt-Regalen. Das Problem ist die Ungleichbehandlung europäischer Winzer und die ungleich teurere Herstellung seriös produzierter Weine. Was nämlich fehlt, ist eine Kennzeichnung auf den Etiketten, die von österreichischer Seite gefordert wurde. Denn wenn draufstünde: „dieser Wein wurde mit technischen Verfahren zerlegt und wieder zusammengesetzt“ würde wohl kaum jemand zugreifen. Jetzt zählt mal wieder nur der Preis. Und da können wir nicht mithalten.

Man kann natürlich auch weiterdenken – und sich vorstellen, wohin das führen könnte. Nämlich, dass viele zweifelhafte technische Errungenschaften früher oder später auch bei uns erlaubt werden. Und irgendwann haben wir – zumindest im unteren Preissegment – nur mehr manipulierte Weine. Davor graut nicht nur mir.

Abhilfe: Kaufen wir also vermehrt Weine unserer seriös arbeitenden Winzer und lassen wir das gepanschte Zeug im Regal verstauben, dann kommen auch die Einkäufer der Supermärkte drauf.
© by Helmut Knall
last modified: 2007-07-18 09:06:43

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