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Skandal um Wein?

Der Kurier berichtet über Panschereien.

Der Kurier berichtet über angebliche Panschereien deutscher Importeure. Allerdings in einem Stil, der unterstes Boulevard-Niveau zeigt und unserem Wein eher schadet, als dass das irgendwem nützt. Traurig.

Skandal um Wein?


Editorial von Helmut O. Knall.

Gleich dreimal berichtet der Samstag-Kurier vom 8. Oktober 2005 über angebliche Panschereien mit österreichischem Wein in Deutschland. Zweimal auf der Titelseite und als Aufmacher im Wirtschaftsteil. Und nennt das auch gleich "Weinskandal light". Vorverurteilung und dumme Vorurteile kennzeichnen diese Artikel.

Gut, "heimische Behörden haben - nach Hinweisen aus Deutschland - den Missbrauch durch deutsche Kellereien mit der staatlichen Prüfnummer für Qualitätswein aus Österreich festgestellt", so der Kurier. Es soll Grüner Veltliner-Qualitätswein, der im Tank verkauft wurde, mit anderen Weinen verschnitten worden sein. Die Prüfnummer auf den Etiketten stimmte mit dem Inhalt nicht überein. Möglich. Aber ist das schon bewiesen, ist da schon ein Urteil gefällt? Welche Kellerei? Oder gilt vielleicht sogar noch die Unschuldsvermutung?

Image-Schaden durch Boulevard-Journalismus.

Natürlich kann ein immenser Image-Schaden entstehen. Aber wohl kaum, weil sich irgendwelche deutschen Kunden beim Diskonter um 1,99 einen gepanschten Veltliner kauften - der ihnen womöglich noch ganz gut geschmeckt hat - sondern weil aus so einem unachtsam veröffentlichten Artikel eine Welle umgeschriebener und nicht nach-recherchierter Artikel ensteht. Und schon passiert's: im deutschen Internet-Forum "talk-about-wine" sind schon die ersten Verdrehungen zu lesen, schon sind die Leute der Meinung, dass wir Österreicher die Schuldigen sind.

Keine Kontrolle.

So lautet die Zwischen-Überschrift im Kurier. Wer also den Artikel nur überfliegt, wie das wahrscheinlich die meisten Leser tun, assoziiert, dass wir keine funktionierende Weinkontrolle hätten. Nur wer genau liest, stellt fest, dass es um deutschen Abfüller geht, die angeblich "jeglicher Kontrolle entzogen sind". Als ob es in Deutschland auch keine Kontrolle gäbe.

Geiz ist nicht geil.

Ich behaupte einmal, dass Käufer von Wein im unteren Preissegment nicht darauf achten, ob das Qualitäts- oder Landwein ist. Ich behaupte, dass die Mehrzahl der Käufer überhaupt nicht weiss, dass es da einen Unterschied gibt und worin er liegt. Vielleicht haben sie ja sogar mal gelesen, dass die Super-Tuscans auch nur Tafelwein sind - naja, eher unwahrscheinlich.

Ich behaupte, die kaufen Wein, weil er billig ist. Vielleicht noch, weil sie die Sorte oder das Land kennen. Weil das Etikett ansprechend gestaltet ist. Weil er gut präsentiert wird. Eine Prüfnummer schauen die ganz sicher nicht an. Und sie kaufen deshalb immer mehr Weine aus Übersee, weil sie durch viele bunte grossformatige Anzeigen Qualitätsfeeling vermittelt bekommen. Von dort hat man ja auch noch nie was von einem Skandal gehört - von uns schon.

1985 im Genick.

So erfolgreich wir auch mit unserem Mini-Budget gegen die grossen Weinländer dieser Erde ankämpfen, immer noch wird weltweit jedes Seminar über österreichischen Wein mit dem Weinskandal begonnen. Wie reinigend er doch war. Wie toll wir uns deswegen entwickelt hätten. Und immer bin ich der Einzige, der widerspricht, weil die jungen gut ausgebildeten Winzer-Söhne und -Töchter sowieso neue Wege beschritten hätten, vielleicht ein wenig verzögert, aber doch.

Aber der Skandal von damals ist immer noch in allen Ohren. Wenn nun auch nur der Hauch von Skandal in Verbindung mit österreichischem Wein publiziert wird, assoziiert das wieder jeder mit uns. Wir sind wieder die Schuldigen. Und deshalb darf man sowas nicht in dieser Form schreiben.

Falscher Wein in der Flasche.

Das passiert leider öfters, man denke nur an die unglaublichen Mengen Pinot Grigio, die in Deutschland verkauft wurden, die in ganz Italien gar nicht wachsen können, an Billig-Prosecco etc. Da gab es schon einige Verurteilungen. Millionen Hektoliter wurden in Italien beschlagnahmt. Aldi musste einmal sogar seinen - ich glaub' es war Prosecco - aus den Regalen nehmen.

Je mehr es nur um den Tiefstpreis geht, desto mehr schwarze Schafe wird es geben. Unter den Winzern, unter den Abfüllern und unter den Diskontern.

Im Sommer diskutierte ich noch in der Wachau mit unserem Weinbau-Präsident Josef Pleil, dass es schon wieder Tankwagen mit 0,49 Cent pro Liter in Richtung Deutschland gäbe. Bei der Salon-Wein-Präsentation fand er dann ja auch klare Worte und wurde nachher von Spitzen-Winzern kritisiert. Recht hatte er, nur vielleicht viel zu spät.

Qualität nur in Flaschen.

Im Kurier steht auch, dass im Landwirtschaftsministerium angedacht wurde, in Zukunft Exporte nur mehr in Flaschen zuzulassen. Vielleicht ist das die Lösung. Ich wage es aus oben angeführten Gründen aber zu bezweifeln. Dann wird eben mehr Landwein exportiert, liest ja eh keiner, was am Etikett steht. Und dann öffnet man Tor und Tür für noch grössere Panschereien.

Österreich als Delikatessenladen der Weinszene.

Die Lösung kann nur noch besseres Image heissen. Österreichischer Wein muss endlich mehr Budget bekommen. Wir müssen transportieren, dass unsere einzigartige Lage, unsere einzigartige Klima-Situation nahezu jede Sorte, jeden Weinstil einzigartig gut werden lässt. Egal ob weiss, rot oder süss. Das geht schon in Deutschland nicht mehr, in Italien nicht und auch bestenfalls nur sehr eingeschränkt in den so gefürchteten ehemaligen Ost-Ländern. Das gibt's nur bei uns.

Durschnittspreis zu niedrig.

Warum ist dann, trotz aller so kritisierter Hoch-Preis-Weine, der Durchschnittspreis der exportierten Qualitäts-Weine noch immer so niedrig?

Da stellt sich doch die Frage, ob die Qualitäts-Schwelle nicht zu nieder liegt. Ob die Verkoster nicht zu viele Weine "durchlassen". Ich weiss schon, das geht nicht von Heute auf Morgen. Und wir haben schon sehr viel erreicht. Aber es ist sichtlich noch immer zu wenig.

Zurück zum Kurier.

Unter dem Titel "Wein und Wahrheit" zieht auf der Titelseite ein offensichtlicher Deutschland-Hasser zu Felde: "Regierung haben sie keine" - Die Wahrheit: Österreich hat in ähnlicher Situation viel, viel länger zur Regierungsbildung gebraucht. Und in der Tonart geht es weiter, ich erspar mir die Zitate bis auf den Wein betreffenden Teil: z.B. zum Weinskandal: "als sich herausstellte, dass das mit dem Glykol .... nicht wirklich reblich-redlich ist, liessen sie's wieder sein. Brav." Auch nicht ganz die Wahrheit... Und dann: "Die Deutschen sollen bei ihrem Rhein-Fusel bleiben..." Das ist die Krönung. Wenn ich nicht wüsste, dass dieser AutorIn ein Ignorant erster Klasse ist, würde ich ihn auf ein paar Weine von Weil, Breuer, Leitz etc. einladen, aber das ist er/sie nicht wert. Ich empfehle die Lektüre von Wine-Times.

Vielleicht klagt eh wer wegen Ruf-Schädigung.

Kopfschüttelnd über so viel Unsinn bei einer der grössten Tageszeitungen Österreichs

grüsst

Ihr und Euer

Helmut O. Knall
© by Helmut Knall
last modified: 2007-07-18 09:16:48

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