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Terrassenwein? Urlaubswein?

Die Urlaubs-Weinbegleitung und ein, zwei Liebeserklärungen.

Franca und ich, haben jeder, ohne lange zu überlegen, ein paar Flascherln mitgenommen. Eine lustige Mischung. Wir haben weniger getrunken, als vermutet, weil wir ja doch ab und zu essen gegangen sind, zwischendurch auch noch kroatische Weinderln probieren mussten...

Terrassenwein? Urlaubswein?
Am Kuchlkaschtele. Die lustige Mischung.
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... die Zeit wie immer zu kurz und das Wetter ja auch ziemlich heiss war, also nicht so wirkliches Wein- sondern eher Badewetter. Und im Endeffekt haben wir eher die Österreicher genommen, da Madame lieber die trinken wollte, die sie nicht kannte, als die, die eh auch immer bei ihr daheim vorrätig sind.

So weit so logisch und gut.

Liebeserklärung eins.

Franz Proidl vom gleichnamigen Weingut Proidl in Senftenberg. Ja, okay, ich mag seine Weine eh fast immer, speziell seine Rieslinge. Aber dieser 2009er Riesling Hochäcker - ist ja quasi "der Kleine" - und der pflanzte uns am ersten Abend richtiggehend. Völlig verschlossen und nur ein bissl Firne.

Naja, dachte ich, ist vielleicht doch schon ein bisserl zu alt. Also in den Kühlschrank zurück. Am zweiten Tag fängt der mit etwas Luft so zu singen an, dass Madame ihre hübschen Augen immer noch weiter aufriss, als eh immer, und aus dem staunenden Lob gar nicht mehr rauskam. Fazit: Siebenzehntel-Flaschen gehören eigentlich verboten.

Zwei Tage später.

Fussballer nennen das, glaub ich, eine Bank. Hab ich noch nie verstanden, denn Banken sind mir suspekt, aktuelle Beispiele geben mir da ja recht.

Nochmal Proidl, nochmal Liebeserklärung, da aber eben eh klar.

2011 Riesling Ehrenfels.

Äääh, ja, ich mach mich jetzt wieder unbeliebt: Natürlich das ist DAC Kremstal Reserve, Erste Traditionsweingüter-Lage und all sowas. Wers braucht. Der Wein braucht diesen ganzen verwirrenden Schrott am Etikett nicht, der spricht eh für sich. Nein, der singt.

Schmunzelnd denke ich an Mütterchens Aussage von vor Jahrzehnten:

"Die Weine aus Senftenberg, da braucht man schon einen Stahlmagen,
das sind echte Sauerrampfer".


Stimmte in den 1960ern vermutlich auch. Zumindest kann auch ich mich noch an solche Tröpferln bei diversen Heurigen der Gegend erinnern, als ich mit dem Wein begann. Ohne Almdudler ging das gar nicht. Und dann kam Franz...

Was auch immer dieses kleine Schlitzohr (das ist ein Kompliment!) da anders machte - und macht, er schafft das, was Generationen vor ihm und Kollegen rund um ihn einfach nicht hinkriegen: Balance, Struktur und Eleganz, mit mineralischer straffer Anmutung, herrlicher Trinkigkeit und geradezu unglaublichem Reife-Potential. Okay, nix für Pfirsich-Aroma-Liebhaber. Nebenbei erwähnt, der Sohn scheint mit seinen Ideen tadellos zu folgen.

Auch und gerade bei diesem 2011er, der eigentlich noch locker ein Jahrzehnt im Keller hätte bleiben können. Aber er rutschte mir halt so in die Finger. Danke Franz, der macht auch jetzt schon Spass.

Liebeserklärung zwo.

Alwin und Stef Jurtschitsch habe ich ja eh schon so oft gelobt, dass es schon bald peinlich sein könnte. Aber was soll ich machen.

Herr Kollege Klimek radierte den Jahrgang 2010 quasi aus und bezeichnete ihn als Arschjahr. Ich, etwas konzilianter, schrieb von einem schwierigen Jahr, das die Winzer herausforderte. Na was soll ich sagen. Liebeserklärung.

Grüner Veltliner Käferberg 2010.

Mehr Sorten- und Regions-Typizität geht wohl gar nicht. Franca kam mit schwärmen und gleichzeitigem dauer-nachschenken gar nicht nach. Ja, eh schon wieder so eine Siebenzehntel - für zwei einfach zu wenig.

Grandios gut. Ehrlich. Nicht urlaubsdeppert. Nein, der hält sogar zu den arrabiatas. Würze, Saftigkeit, Trinkspass, Länge. Alles da. Bravo.

2009 Biiri Blaufränkisch vom Weingut Hans Igler.
Na gut, ein korkendes Flascherl muss wohl immer sein. So vui schod um den.
Einer meiner Lieblingsweine, normal. Naja, was solls.

Dann halt Toni Iby - Dürrau 2008.

Braucht sehr lang, bis er sich öffnet. Über eine Stunde zeigt er nur straffe und leicht adstringierende Härte. Dann allerdings kommen die dunklen Beeren, immer mehr Ähnlichkeit zu den wilden Brombeeren, die ich heute drei Häuser weiter, blutzerkratzt der am steilen Fels abwärts rankenden Hecke abgefochten habe.

So, wie ich um diese paar Brombeeren kämpfen musste, kämpfe ich jetzt mit dem Wein, so ein kratzbürstiger Lackel, der erst nach und nach seine Aromen freigibt. Mühsam.

Aber jetzt - und schon wieder bräuchte es eine grössere Flasche - wo der letzte Rest der Flasche ins Glas schaukelt, jetzt macht der Kerl endlich auf und passt sich dem Feuerwerk da drüben auf der Insel an. Bumm, datataramm, chinesischer Feuerzauber unterm Sternenhimmel über Krk und ein Aromenfeuerwerk aus Horitschon im Glas. Grandios.

Aber ihr, die ihr diesen 2008er noch irgendwo im Keller liegen habt. Lasst ihn noch mindestens fünf, besser noch zehn Jahre zu. Oder öffnet ihn und gebt ihm einige Stunden in einer Karaffe. Macht echt keinen Sinn zwei Drittel zu trinken, obwohl er noch nicht getrunken werden will.

So. Österreich ist leer. Es ist 01 dividiert durch 41.
Gute Zeit mal Valpolicella aufzumachen...
© by Helmut Knall
last modified: 2015-08-05 02:15:50

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