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Der Weg ist richtig. Aber lang.

Der VDP präsentierte die Grossen Gewächse des Jahres 2004.

Immer Anfang September werden die "Grossen Gewächse" präsentiert. Heuer am 4.September in Berlin, im Atrium des Daimler-Buildings am Posdamer Platz. Wir haben vorverkostet und informieren Sie schon hier.

Der Weg ist richtig. Aber lang.


Ein Vergleich gefällig? Wenn man mit der Bahn von Wien nach Wiesbaden fährt, hat man zwar hoch gelobte ICE-Garnituren in Betrieb, eine funktionierende Steckdose für den Laptop zu finden, ist allerdings nicht ganz einfach. Es sind einfach zu wenige, die auch funktionieren. Ausserdem ist es zwar nett, wenn man ständig informiert wird, wie viel Verspätung der Zug gerade hat und welche Anschlusszüge man nicht mehr erreicht, wenn man dann allerdings eine Stunde auf den nächsten Anschluss warten muss, ist das nicht lustig – ganz abgesehen, dass man Termine nicht einhalten kann.

Was hat das mit den grossen Gewächsen zu tun? Nun ja, eigentlich nichts. Ausser, dass es eben einige grosse Weine gibt, die sich die Auszeichnung „Grosses Gewächs“ wirklich verdienen, darunter aber immer noch viele Weine präsentiert werden, die qualitativ „Verspätung“ haben. Und so wie Verspätungen dem Image des ICE schaden, schaden solche Weine dem Image der Grossen Gewächse.

Aber von vorn.

Was ist eigentlich ein „Grosses Gewächs“?

„Quintessenz deutscher Weinbaukunst aus klassifizierten, streng begrenzten Weinbergs-Parzellen in denen optimale Wachstumsbedingungen herrschen. In ihnen verbinden sich der Charakter der Lage, die Typizität der Rebsorte, die Eigentümlichkeit eines Jahrgangs und die Arbeit des Winzers in einmaliger Weise“. So die offizielle Beschreibung des VDP.


Da der schon fast zur Marke gewordene Ausdruck „Grosses Gewächs“ Wein-rechtlich noch immer nicht genehmigt wurde, gibt es in Deutschland auch ähnliche Bezeichnungen, wie „Erstes Gewächs“ oder „Erste Lage“. (Eine Glosse zum Wirrwarr deutscher Etikettenbezeichnungen finden Sie unter

http://www.winetimes.at/winetimes/Content/WeinTexte/Reportagen/deutscher%20wein)

Also nochmals kurz: Ein Grosses Gewächs ist ein Wein aus einem VDP-Mitglieds-Betrieb, der die Lage und die Sorte charakteristisch ins Glas bringen soll. Darunter gibt es „klassifizierte Lagenweine“ und „Guts- und Orts-Weine“.

Die genauen Vorschriften, Lagenklassifikationen und Fotos berühmter Lagen finden Sie unter:

http://www.grossesgewaechs.com

Der Jahrgang 2004.

Auf den aussergewöhnlich heissen Jahrgang 2003 mit – für Deutschland untypischen breiten, säurearmen und alkoholreichen Weinen - folgte ein kühlerer, aber auch relativ trockener Jahrgang 2004, der fruchtbetonte, rassige – eben typisch deutsche Weine – hervorbrachte. Das erforderte aber auch extrem aufwändige Arbeit im Weingarten. Nur mit rigoroser Ertragsbeschränkung und exakter Laubarbeit konnten wirklich grosse Weine gekeltert werden. Durch die geringen Niederschläge konnten sich viele Stöcke jedoch wohl nicht richtig regenerieren, was sich in manchen Weinen mit erhöhten phenolischen Bitternoten zeigt.

Grundsätzlich darf man aber gratulieren.

Der eingeschlagene Weg zur Qualität ist richtig. Die Top-Weine zeigen ganz deutlich, wie grandios trockene deutsche Weine sein können. Ich habe mich bei meinen Verkostungen auf Riesling konzentriert, da ich der Meinung bin, dass man seriös nicht über 200 Weine in zwei Tagen verkosten kann, weil viele dieser Weine einfach Zeit brauchen, um sich im Glas zu entwickeln, weil man den einen oder anderen nachverkosten muss, um sicher zu sein, dass hier kein Korkschleicher vorliegt, oder weil sie eben gerade viel zu kalt sind. Sehr erfreulich heuer einige Weine von der Nahe, aus der Pfalz, einige aus Franken und aus Baden, auffallend die Qualtitäts-Steigerung in Rheinhessen.

Gar nicht glücklich war ich mit den Weinen vom Mittelrhein, wo viele sauber gemachte, aber eher ausdruckslose Weine herstammen. Aus den Gebieten Mosel-Saar-Ruwer (nur drei Weine in der Präsentation) und Rheingau fehlten die besten Produzenten, weswegen auch hier die Wertungen nicht die wahre Top-Qualität widerspiegeln.

Gedanken zur Zukunft.

Meine persönliche Sicht: Den eingeschlagenen Weg weitergehen. Strenger werden. Auch – oder vielleicht sogar besonders – bei den Vorstandsmitgliedern, die nun mal Vorbildwirkung haben sollten.

Zu viele Weine sind zwar sehr, sehr gut gemacht. Wenn man aber sagt, dass man hier die Lagen-Charakteristika herausarbeiten will, sorry, dann muss strenger selektioniert werden. Dann dürfen nun mal aalglatte Weine mit dropsigen Fruchtnoten nicht als „Grosses Gewächs“ zugelassen werden. Und Weine mit deutlichen Bitternoten schon gar nicht.

Unter den Kollegen und in diversen Wein-Foren tobt ja schon lange die Diskussion, ob man solche Lagenweine überhaupt mit moderner Kellertechnologie zusammenbringen kann, oder ob das eben nur „traditionell“ mit Spontanvergärung und grossen Holzfässern umzusetzen sei. Die Verkostungen bestätigen diese Sicht aber nur teilweise. Ich kenne einige Betriebe, die auch mit Reinzuchthefen und Stahltank grandiose Terroirweine abliefern. Was aber auch aufgefallen ist, das waren reihenweise gleiche Duftnoten nach Maracuja oder Eiszuckerl, die eigentlich nur mit Aromahefen und relativ kühler Vergärung entstehen können. Da fehlt die Lagen-Charakteristik komplett. Das sind gut gemachte Weine, die sicher sehr vielen Leuten schmecken, die können allerdings von überall her sein. Dazu braucht man keine extremen Steillagen und keine Klassifizierung.

Und darin sehe ich die Gefahr. Wenn – nennen wir sie mal „hübsche“ Weine –das Siegel „Grosses Gewächs“ ebenso tragen, wie die wirklich grossen Weine, dann kann das dem gerade aufkeimenden Erfolg und dem Image langfristig schaden. Und das wäre schade.

Fazit.

Noch strengere Vor-Verkostungen, vielleicht sogar mit einigen der Weinjournalisten des Landes. Weiter um die Betriebe bemühen, die noch nicht mitmachen, Weine von Breuer, Heymann-Löwenstein, Köhler-Rupprecht, Gunderloch, Leitz, Bürklin-Wolf, Künstler, Heinz Schmitt, Würtz, Störrlein etc. gehören zu den besten des Landes und sollten in dieser Präsentation nicht fehlen. Vielleicht den Präsentations-Termin noch weiter nach „hinten“ verschieben, damit alle Weine gezeigt werden können.

Also schauen wir nach vorn.

Bis jetzt sieht es in den Weingärten sehr gut aus. Der Vegetationsverlauf war 2005 recht gut, einer langen Blüte folgte ein kurzer Kälteeinbruch, der zwar zu Verrieselungen führte, was aber als natürliche „Ausdünnung“ gesehen wird und eher qualitätssteigernd wirkt. Das darauf folgende fast tropische Wetter mit heissen Tagen und ausreichend Niederschlag brachte raschen Wuchs, extreme Laubarbeit im Weingarten war notwendig. In einigen Gegenden gab es Hagelschäden, im grossen und ganzen kann man aber von einem sehr guten Verlauf mit dem Aroma bringenden Wechselspiel aus warmen Tagen und kühlen Nächten sprechen. Das deutet bis jetzt auf einen „klassischen“ Jahrgang mit viel Frucht und Eleganz hin, wenn das Wetter die nächste Zeit stabil bleibt.

Erste Kurz-Wertungen.

(Verkostungsnotizen mit Adressen und Links folgen)


Anmerkung: Ich bewerte relativ streng. Weine mit typischer Lagencharakteristik, Eleganz und Finesse erhalten bei mir höhere Noten, auch und gerade, wenn sie feingliedrig sind. „Blockbuster“ bekommen nicht automatisch hohe Wertungen. Ich habe mir für alle Weine sehr viel Zeit genommen und ihnen Luft und Entwicklung im Glas vergönnt, das erklärt die manchmal deutlichen Unterschiede zu Kollegen, die vielleicht schneller und mit sehr kalten Weinen im Glas verkostet haben.

Meine Spitzenreiter beim Riesling:

Emrich-Schönleber, Nahe, Halenberg „Lay“, 93 Punkte.

Keller, Rheinhessen, Morstein 93.

Knipser, Pfalz, „Steinbuckel“ Mandelberg, 93.

Laible, Baden, Plauelrain, 93.

Wittmann, Rheinhessen, Kirchspiel, 93.

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Diel, Nahe, Pittermännchen, 92.

Emrich-Schönleber, Nahe, Halenberg, 92.

Keller, Rheinhessen, Hubacker, 92.

Weil, Rheingau, Gräfenberg, 92.

Wittmann, Rheinhessen, Morstein, 92.

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Biffar, Pfalz, Grainhübel, 91.

Diel, Nahe, Goldloch, 91.

Knipser, Pfalz, „Himmelsrech“ Mandelpfad, 91.

Wirsching, Franken, Kronsberg, 91.

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Bergdolt-St.Lamprecht, Pfalz, Reiterpfad, 90.

Biffar, Pfalz, Gerümpel, 90.

A.Christmann, Pfalz, Langenmorgen, 90.

Dr. Heger, Baden, Winklerberg, 90

Haart, Mosel-Saar-Ruwer, Goldtröpfchen, 90.

Keller, Rheinhessen, Kirchspiel, 90.

Messmer, Pfalz, Michelsberg, 90.

Mosbacher, Pfalz, Ungeheuer, 90.

Schaefer, Pfalz, Michelsberg, 90.

Wirsching, Franken, Julius-Echter-Berg, 90.

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A.Christmann, Pfalz, Idig, 89.

Dr. Crusius, Nahe, Rotenfels, 89.

Diel, Nahe, Burgberg, 89.

Emrich-Schönleber, Nahe, Frühlingsplätzchen, 89.

Fürst Löwenstein, Franken, Kallmuth, 89.

Rebholz, Pfalz, Kastanienbusch, 89.

Reichsrat von Buhl, Pfalz, Pechstein, 89.

Horst Sauer, Franken, Lump, 89.

Wittmann, Rheinhessen, Aulerde, 89.

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Aldinger, Württemberg, Lämmler, 88.

Bassermann-Jordan, Pfalz, Hohenmorgen, 88.

A.Christmann, Pfalz, Reiterpfad, 88.

Flick, Rheingau, Nonnberg, 88.

Mosbacher, Pfalz, Kieselberg, 88.

Pfeffingen-Fuhrmann-Eymael,

Pfalz, „Mardelskopf“ Herrenberg, 88.

Ratzenberger, Mittelrhein, Wolfshöhe, 88.

Schloss Neuweier, Baden, Mauerberg, 88.

Schmitt’s Kinder, Franken, Pfülben, 88.

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Bassermann-Jordan, Pfalz, Kalkofen, 87.

Bürgerspital z.hl.Geist, Franken, Stein, 87.

Ellwanger, Württemberg, Altenberg, 87.

Eser, Rheingau, Siegelsberg, 87.

Fröhlich, Franken, Lump, 87.

Kruger-Rumpf, Nahe, Pittersberg, 87.

Lanius-Knab, Mittelrhein, Bernstein, 87.

Pfeffingen-Fuhrmann-Eymael, Pfalz, Weilberg, 87.

Rebholz, Pfalz, Im Sonnenschein, 87.

Reichsrat von Buhl, Pfalz, Paradiesgarten, 87.

Georg Siben Erben, Pfalz, Ungeheuer, 87.

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St.Anthony, Rheinhessen, Hipping, 86.

Bastian, Mittelrhein, Posten, 86.

Reichsrat von Buhl, Pfalz, Jesuitengarten, 86.

Burg Ravensburg, Baden, Husarenkappe, 86.

Bürgerspital z.hl.Geist, Franken, Stein-Harfe, 86.

Friedrich Becker, Pfalz, Sonnenberg, 86.

Flick, Rheingau, Mönchsgewann, 86.

Fürstlich Castell’sches Domänenamt,

Franken, Schlossberg, 86.

Johann Ruck, Franken, Julius-Echter-Berg, 86.

Schloss Sommerhausen, Franken, Steinbach, 86.

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Acham-Magin, Pfalz, Reiterpfad, 85.

Bassermann-Jordan, Pfalz, Kirchenstück, 85.

Dautel, Württemberg, Sonnenberg, 85.

Toni Jost, Mittelrhein, Hahn, 85.

Schlossgut Hohenbeilstein,

Württemberg, Schlosswengert, 85.

Siegrist, Pfalz, Sonnenberg, 85.

Staatsweingut Weinsberg, Schemelsberg, 85.

Geheimrat J.Wegeler, Rheingau, Jesuitengarten, 85.

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Verkostungsnotizen folgen in den nächsten Tagen.

Zum Abschluss ein grosses Lob an die Organisation, selten kann man irgendwo so vernünftig und in Ruhe verkosten, ganz speziell an das freundliche Service-Personal, das den ganzen Tag alle Sonderwünsche allerliebst erfüllte. Danke.

Zur Website des VDP: http://www.vdp.de
© by Helmut Knall
last modified: 2007-07-18 13:16:36

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