Wine-Guide-Austria.com

Hier geht's zum aktuellen Wine-Guide-Austria in deutscher Sprache, dem ultimativen Nachschlagewerk zum österreichischen Wein.

 
Bookmark and Share

Aus gegebenem Anlass.

Weinjournalisten habens auch nicht leicht.

Vinum kauft Alles über Wein. Wieder werden Einige den Job verlieren. Allmählich wird es nur mehr freie Journalisten geben. Die können aber nicht gratis zu Verkostungen fahren. Bei den Kosten muss es wohl bald ein Umdenken geben.

Aus gegebenem Anlass.


Wien, 31. August 2005. Gerade wurde bekannt, dass „Alles über Wein“verkauft wird. Der Landwirtschaftsverlag, der auch die Zeitschrift Vinum herausgibt, hat das Blatt angeblich vom Bertelsmann-Verlag gekauft. Schon länger war klar, dass das ehemalige Woschek-Blatt überhaupt nicht ins Bertelsmann-Portfolio passt und man sich wieder davon trennen will.



Erst vor ganz kurzer Zeit wurde noch inseriert, dass Redakteure mit Weinwissen gesucht seien, der Geschäfstführer von „Alles über Wein“ war darüber nur erstaunt, da er mit einer kleinen Gruppe ein Management-buy-out versuchen wollte. Angeblich war dieses Angebot sogar höher, als das des Landwirtschaftsverlages, dieser ist allerdings guter Druck-Kunde bei Bertelsmann. Noch ist das alles im Gerüchte-Stadium, die Bestätigung wird aber nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Man kann davon ausgehen, dass die beiden Magazine verschmolzen werden und es wieder einige Jobs weniger in der Branche gibt.

Es gibt in der Weinbranche kaum fixe Jobs.


Fast alle Verlage ersparen sich die Lohn-Nebenkosten und arbeiten nur mehr mit freien Mitarbeitern.

Gleichzeitig steigen die Einladungen zu Verkostungen sprunghaft an. Jeden Tag flattern bis zu zehn Einladungen in die Redaktion. Natürlich freut einen dies einerseits, weil es zeigt, dass sich was tut in der Branche. Und wenn es Einladungen nach Deutschland, Italien, Frankreich usw. sind, zeigt das, welche Reputation man im Ausland geniesst. Das ist ja auch was.

Jetzt kommt aber das grosse ABER.

Immer öfter wird man zwar eingeladen und macht auch ganz unverholen Werbung mit der prominenten Jury. Wer aber bezahlt das Ganze? Bis vor kurzem war es üblich, wenigstens Fahrtkosten und Übernachtung ersetzt zu bekommen. Der jeweilige Verlag musste eben das Gehalt des Journalisten zahlen. In der Zwischenzeit zahlen die Verlage kein Gehalt mehr, Reisespesen werden immer seltener ersetzt. Die Belohnung ist dann ein Abendessen in einem Haubenrestaurant. Tschuldigung, das ist nett, aber davon kann keiner seine Fixkosten zahlen.

Ein paar Beispiele:

Ein Fax rattert herein. „Die grösste Weinverkostung des Landes“ heuer in Zusammenarbeit mit einem bekannten Weinmagazin. 4.500 Weine sollen in nur 6 Tagen verkostet werden. Da brauchts wirklich viele Verkoster. Ich denke mal nach, wie viele davon wir in Österreich haben. Naja. Mit einigen habe ich gesprochen, die haben alle keine Zeit oder keine Lust. Ich lese weiter: „Wir bezahlen 15,- Euro Fahrtspesen und ein Mittagessen bei XXX“. Grosszügig.

Die Winzer zahlen 50,- Euro pro eingereichtem Wein; mal 4.500 ergibt 225.000,- Euro. Und dann will man Fachleute mit Erfahrung um ein Mittagessen?

Ein Mail. Präsentation in Deutschland. Eine spannende Geschichte. Die besten Weine Deutschlands in Ruhe verkosten zu können. Natürlich soll man nachher auch drüber schreiben. Gut. Die Übernachtung, zwei Mittagessen und ein geselliger Abend sind organisiert. Die Fahrtkosten muss ich selber tragen. Ich rechne zusammen: Mit An- und Abreise 4 Tage unterwegs. Artikel schreiben, Winzeradressen zu den Notizen zuordnen etc. ein weiterer Arbeitstag. 5 Tage unbezahlte Arbeit, im Gegenteil, mit Reise, Roaming-Gebühren und den paar Getränken mit Kollegen an der Hotelbar hatte ich Kosten von knapp 500,- Euro.

Dasselbe gilt für Verkostungen, die hier im Land organisiert werden. Für Journalisten aus dem Ausland wird alles geboten. Wir als Österreicher, die ständig im Ausland die Weine promoten, in dem wir Österreichische Weine mitbringen, auf den Messen unsere ausländischen Kollegen und Importeure, die wir kennen, zum Österreich-Stand schleppen und sie beraten, für uns ist bei einem Weingipfel nicht einmal ein Abendessen drin. Dabei würden uns die ausländischen Kollegen gerne treffen. Das müssen wir dann halt in Italien oder Frankreich oder… tun. Zum verkosten sind wir gerne geladen, man braucht ja eine Jury. Traurig.

Ich will nicht jammern. Mir macht mein Job immer noch viel Spass, vor allem, weil die Winzer ein äusserst interessantes und liebenswertes Völkchen sind. Aber ein bissl umdenken wäre in den Verbänden gefragt. Sonst müssen nämlich immer mehr unabhängige Fachleute die umstrittenen, aber lukrativeren Nebenjobs, wie Weineinkauf für Handelsketten, Public Relations für Weingüter etc. machen und begeben sich damit in Abhängigkeiten.

Ausbildung und jahrelange Erfahrung muss etwas wert sein.

Meint Ihr und euer

Helmut o. Knall (Knalli)
© by Helmut Knall
last modified: 2007-07-18 09:19:30

Kommentar hinzufügen
Benutzername:
Passwort:
Überschrift:
Kommentar:

Wine-Times News-Ticker

Aus Vino Nobile di Montepulciano wird "NOBILE".

Seit den 1980ern, als Rotwein aus Italien auch international beliebt wurde, leiden die Wein-Produzenten aus Montepulciano, dass sie "als kleiner Bruder" des Brunello, also des Bruderweines vom Nachbar-Hügel, bezeichnet werden...
» weiter...

99 Tipps.

Völlig subjektive Tipps vom Knall. Weine aus allen möglichen Regionen Österreichs, Italiens und Deutschlands. Weil ich da dauernd bin. Und ein paar andere auch noch. Sehen Sie selbst.
» weiter...

Mithilfe erlaubt.

Diese Seite zu gestalten kostet viel Zeit und Geld. Wir möchten Sie trotzdem für unsere Besucher kostenfrei halten. Wenn Sie uns helfen wollen, lesen Sie hier weiter...
» weiter...
» Alle News...

Wichtige Links


als PDF downloaden